Martin Kinzig tritt zur neuen Saison den Posten als Spielausschußvorsitzender ab.  Vor etwa 3 Jahren titelte schon die RNZ “Ohne ihn kann man sich den FC Viktoria nicht vorstellen“. Den allermeisten geht es auch heute noch so. Seit über 15 Jahren und somit die Hälfte seines bisherigen Lebens steht Martin beim FC Viktoria an vorderster Front. Ohne seinen Einsatz wäre der Verein in seiner jetzigen Form nicht denkbar. Nach all den Jahren und all den Ereignissen sieht Martin den Moment gekommen, die Verantwortung an andere zu übergeben. Wir sprachen mit ihm über die anstehende Veränderung:

——————–Interview——————–

Viktoria-OnlineHallo Martin, nun ist es offiziell. Zur neuen Saison möchtest du den Posten des Spielausschußes abtreten. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Martin: Die Entscheidung ist schon länger gereift. Den einen wahren Grund gibt es da nicht. Es sind sehr viele kleinere, die in Gänze den Entschluss ausgemacht haben. Ich will da jedoch auch nicht zu viel ins Detail gehen. Für den Verein ist es vielleicht auch positiv. Nach einer gewissen Zeit macht sich auch einfach eine Lethargie breit und neue, frische und auch motivierte Nachfolger können mit einer anderen Sichtweise hoffentlich wieder mehr bewegen.   

Viktoria-Online: Da du ja so lange dabei bist, gebe uns bitte einen Einblick. Was war dein schönster Moment in deiner Zeit als Verantwortlicher und welcher der Schlimmste?

Martin: Das ist eine gute Frage. In dieser langen Zeit gab es sehr viele schöne Momente, aber natürlich auch negative.

Besonders gut in Erinnerung ist mir aber der 20.05.2012 geblieben. In der Saison waren wir exakt zwei Mal auf einem Nichtabstiegsplatz. Am letzten Spieltag haben wir in Hemsbach gewinnen müssen, während wir auf einen Ausrutscher von der DJK Sandhofen angewiesen waren. Nach unserer Führung und der Meldung des Spielstands der Konkurrenz hatten wir den Klassenerhalt vor Augen. Doch dann mussten wir zehn Minuten vor dem Spielende den Ausgleich hinnehmen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir wieder abgestiegen. Und dann gehen wir direkt nach dem Anstoß wieder in Führung. Gefühlt war halb Neckarhausen in Hemsbach dabei und nach dem Schlusspfiff vom Willi Emtmann, der uns mit seiner Nachspielzeit noch auf die Folter spannte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

Auch die Saison später hat viel Freude bereitet. Viele Spieler haben uns verlassen und nach dem erneuten Umbruch waren wir für alle Abstiegskandidat Nummer 1. Allerdings haben wir dann über den Teamgeist viel erreicht. Von den damaligen Spielern sind heute ja bekanntlich auch viele inzwischen in der Vorstandschaft oder eben auch Trainer. 

Aber auch die Zeit, als wir noch aktive Jugendarbeit betrieben haben, möchte ich nicht missen. Gerade die Arbeit mit Markus Haas, dessen Trauzeuge ich dann auch sein durfte, oder auch Stefan Rinklef und den vielen anderen, wie Familie Heibel, etc. war etwas Besonderes. Ich denke da auch zum Beispiel an unser großes Jugendturnier zum 100- jährigen Jubiläum. Wir haben gerade in dieser Zeit damals viel Energie und Zeit investiert, aber es hat auch viel Spaß gemacht. Mich freut es heute noch, wenn ich teils Eltern von damals auf der Straße treffe und mich mit ihnen unterhalte. Gerade vor Kurzem habe ich eine Mutter in Heidelberg zufällig auf der Sparkasse getroffen und wenn dann die Aussage kommt, dass die Zeit in Neckarhausen am Schönsten war, ist das Lohn genug. 

Negativ in Erinnerung ist mir absolut der 1. Mai 2019. Nach der herben Niederlage in Seckenheim haben wir uns von Coach Christian Michler getrennt. Nach den vielen Jahren der Zusammenarbeit, in der wir uns auch abseits des Platzes gut verstanden haben, musste ich ihm mitteilen, dass wir die Reißleine ziehen. Auch wenn er es schon geahnt hat, es viel mir sehr schwer dieses Gespräch zu führen.

Auf der Gegenseite wiederum hat uns dann Uwe Ulpins ausgeholfen und hat gemeinsam mit Steffen Stahl die Saison zu einem glücklichen Ende gebracht.

Viktoria-Online: Du bist untrennbar mit der Viktoria verbunden und hast noch viele andere Tätigkeiten im Verein übernommen, welche nicht zu den Aufgaben eines Spielausschußes gehören. Kannst du uns einen Einblick geben welche Aufgaben du beispielsweise abgeben wirst und wie die Übergaben laufen?

Martin: Leider waren es am Ende tatsächlich immer mehr Aufgaben. Von der Pflege der Homepage, übers Stadionheft zu Facebook oder auch am Spieltag den Bericht an den Mannheimer Morgen abgeben, was die Öffentlichkeitsarbeit anging, über ganz banale Aufgaben, wie Sorge zu tragen, dass die Kabinen gereinigt werden, Wasser einkaufen und dann Trikots, Shirts und Pullis waschen und am Spieltag der Erste und Letzte zu sein, der „aufm Platz ist“ und den auch herrichtet, bis zu den eigentlichen Aufgaben von Abrechnungen, Transfers tätigen und Zuschüsse zu beantragen, und und und… war alles dabei. Und ich denke, dass ich jetzt ad hoc nicht an alles gedacht habe. Ich hoffe, dass die neuen Verantwortlichen hier alles auf mehrere Schultern verteilen können und mehr Unterstützung erfahren. 

Die aktuellen Kontaktbeschränkungen machen vieles eben nicht leicht. Auch die Übergabe der Aufgaben. Ich stehe mit Dennis Höhnle und Gabriel Reiß allerdings im engen Austausch und wenn eine größere Runde beteiligt ist, wird sich online ausgetauscht.

Viktoria-Online: Bei der Fülle der Aufgaben… Weißt du schon was du mit deiner dann gewonnenen Freizeit anfangen möchtest?

Martin: Priorität Nummer 1: Mir auf dem “Feldherrenhügel” die Spiele ansehen und diese mit qualifiziertem Dummgeschwätz zu analysieren.

Nein im Ernst, ich lass es auf mich zukommen. Ich habe gehört, dass man Sonntage beispielsweise nicht nur auf den hiesigen Sportplätzen verbringen muss und auch mal andere Sachen unternehmen kann. Letztes Jahr hatten wir im Freundeskreis schon das ein oder andere ins Auge gefasst, den weiteren Verlauf kennt man ja. Die Corona-Pandemie hatte dies ja dann zu Nichte gemacht.

Viktoria-Online: Du bleibst uns doch aber sicher erhalten? Wenn schon nicht in erster Reihe, dann doch aber zumindest in der zweiten?

Martin: Wie heißt unser Motto so schön: Ein Leben ein Verein!

Wer sein halbes Leben aktiv war und das sage ich mit meinen zarten 32, wird mit Sicherheit nicht auf „Null“ fahren. Außerdem würde mir da schon was fehlen. Auch hier schauen wir einfach mal was die Zeit so bringt. Ich werde nach wie vor den Verein und auch die Verantwortlichen unterstützen. Jedoch freue ich mich tatsächlich darauf nicht mehr in der ersten Reihe stehen zu müssen.

Abschließend wünsche ich dem Verein nur das Beste! Der Vorstandschaft und allen Spielerinnen und Spielern, Trainerinnen und Trainern, mit denen ich in den gut 16 Jahren zusammengearbeitet habe, danke ich für die stets vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Viktoria-Online: Vielen Dank Martin für das Interview! Es freut uns, dass du auch weiterhin im Vereinsumfeld zu finden sein wirst. Auch für uns wird es wohl komisch sein, wenn du nicht mehr der Spielausschuß bist. Für viele von uns bist du aber schon länger mehr Freund als Offizieller und das wird ja definitiv so bleiben!