Neckarhausen: In der Reihe „Verein(t)“ geht es heute um den FC Viktoria / Ausfallende Veranstaltungen eine Belastung

Fußballtraining fast wie „Ferienspiele“

MM 1806202018. Juni 2020 Autor: Hannelore Schäfer

„Bei uns ist trotz der Beschränkungen ein bissel Normalität eingekehrt. Die Aktiven wollen sich bewegen. Das ist gut für die Kondition, und der Spaßfaktor kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz“, berichtet der Spielausschuss-Vorsitzende des FC Viktoria Neckarhausen, Martin Kinzig. Zwar ist im Mai nach Freigabe des Platzes das Training wieder angelaufen, aber der Hütchen-Parcours auf dem Kunstrasenplatz lässt sich von den Spielern sicher leichter überspringen, als die Corona-bedingten Vorgaben für die Verantwortlichen.

„Es gibt etliches zu beachten, um die rechtlichen Regelungen einzuhalten“, gesteht der Vorsitzende des FC Viktoria, Tobias Hertel. Die Abstandsregelung gelte auch auf dem Platz, ebenso soll Körperkontakt vermieden werden. „Was wir zur Zeit betreiben, ist genaugenommen ein anspruchsvoller Ferienprogramm-Beitrag für Erwachsene, aber er kommt nach der sportlichen Zwangspause bestens an“, freut sich Hertel. Pro 400 Quadratmeter Fläche darf eine Trainingsgruppe, bestehend aus neun Spielern und einem Trainer, auf dem Platz aktiv sein. Aktuell verfügt der FCV über vier Trainingsgruppen.

Bevor die Männer wieder auf den Platz durften, musste ein Hygiene-Konzept bei der Gemeinde eingereicht und das Ganze umgesetzt werden. Dazu zählt unter anderem, dass Duschen und Kabinen bis auf weiteres geschlossen bleiben und das gesamte Trainings-Material regelmäßig desinfiziert wird. Die Toiletten sind offen geblieben, aber auch hier gelten besondere Hygiene-Maßnahmen. „Es ist erheblich mehr Aufwand, und anfangs taten wir uns damit echt schwer, aber zwischenzeitlich haben wir schon ein wenig Routine im Ablauf entwickelt“, lässt der Viktoria-Chef wissen. Hinzukommt, dass jeder Spieler sich in eine Teilnahme-Karte eintragen muss, die vier Wochen archiviert wird, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können.

Beneidet man als Amateurverein eigentlich die Bundesligisten um ihre Privilegien? „Nein, ich finde gut, dass die Liga die Meisterschaft ausspielen konnte. Man darf auch nicht vergessen, dass etwa 20 000 Arbeitsplätze rund um den Ligabetrieb dranhängen“, konstatiert Martin Kinzig. Das große Geld verdient man bei der Viktoria als Spieler nicht. „Zu uns kommt man wegen der Geselligkeit, einem intakten Mannschaftsgefüge und dem Spaß am Sport. Als einziger Lohn gibt es im Kreis der Kameraden mal ein Bier nach einem Spiel, aber aktuell findet ja beides nicht statt“, scherzt Kinzig. Wie es mit dem FC Viktoria sportlich weitergeht hängt auch von der Entscheidung beim Verbandstag am 20. Juni ab. „An diesem Tag wird entschieden, ob die Saison 2019/2020 abgebrochen oder zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt wird“, erklärt Tobias Hertel und fügt an: „Ein Abbruch würde unserer ersten Mannschaft den Abstieg in die Kreisklasse B ersparen.“

Die Viktoria ist aber nicht nur sportlich, sondern auch kulturell aktiv. „Nachdem schon ’Rund ums Schloss’, ausfällt wo wir als Verein präsent sind, steht möglicherweise auch die Neckarhäuser Kerwe auf der Kippe“, fürchtet Hertel. Die Veranstaltung findet traditionell am ersten Sonntag im September statt. Sowohl bei Rund ums Schloss als auch bei der Kerwe geht der Viktoria laut ihrem Chef ein mittlerer vierstelliger Betrag verloren: „Zwar hat unser Verein in den vergangenen Jahren solide gewirtschaftet, aber für das Fortbestehen ist es nun mal wichtig, dass nicht nur der Ball, sondern auch der Rubel rollt.“

Info: Hinweise für „Verein(t)“: leseraktion@mamo.de

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 18.06.2020

Bericht MM 18062020