Zum Bericht vom Mannheimer Morgen vom 19.10.2018 „’Ein Häuschen und vier Plätze’ für mehr als eine Millionen Euro“ und
zum Bericht von der Rhein-Neckar-Zeitung vom 19.10.2018 „Eine weitere Hürde ist genommen“

https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-edingen-neckarhausen-ein-haeuschen-und-vier-plaetze-fuer-mehr-als-eine-million-euro-_arid,1335623.html

https://www.rnz.de/nachrichten/bergstrasse_artikel,-baugebiet-neckarhausen-nord-eine-weitere-huerde-ist-genommen-_arid,394212.html

Seit nunmehr zehn Jahren zieht sich bereits die Diskussion um das Baugebiet „Wohnen und Freizeit in Neckarhausen-Nord“. Vertreter des FC Viktoria waren bei der Sitzung des Gemeinderats am 17.10.2018 zugegen, um sich direkt ein Bild der Diskussion zu machen. Dabei fiel vor allem auf, dass alle Fraktionen zwar Bedenken im Hinblick auf den Neubau der Tennisplätze, samt Gebäude, äußersten – trotzdem jedoch vorbehaltlos zustimmten. Wie kann das sein? Wenn man Bedenken hat, sollten diese doch geklärt werden – wenn man allerdings trotzdem einfach Zustimmung erteilt, fallen die Bedenken in die Rubrik „heiße Luft“.

Im Mannheimer Morgen heißt es, dass im Moment Gesamtkosten von 1,2 Mio. Euro im Raum stehen, um vier Tennisplätze und ein Funktionshäuschen (nicht Haus) für den Tennissport zu erstellen – die anderen Sportarten sind da noch lange nicht untergebracht. Dabei stehen noch Angebote und Auftragsvergabe für Elektro- und Sanitärleistungen aus. Jeder, der in seinem Leben schon einmal gebaut hat, weiß, dass dies die finanziell aufwendigsten Gewerke sind. Jetzt schon sind Mehrkosten von 270.000,- Euro zu erwarten. Völlig richtig stellt GR Dietrich Herold (FDP/UBL) fest, dass sich das Baugebiet auch finanziell lohnen muss. Wenn man aber, wie von Bürgermeister Michler erwähnt, mit einem Verkaufserlös von 500 – 900 Euro / m² rechnet, stellt sich wieder die Frage, wer soll denn dort bauen? Junge Familien, sozialer Wohnungsbau – Fehlanzeige! Hier wird wieder ein Bauträger oder Investoren zum Zuge kommen, die dann anschließend Luxuspreise für Luxuswohnungen abrufen. Zu Recht gibt es massive Kritik und eine BI gegen das Vorhaben.

Auch darf man bezweifeln, dass die Umsiedlung des Fußballs aus Neckarhausen-Nord (DJK und Viktoria) billiger werden wird, als das Umsiedeln einer elitären Randsportart mit ein paar kleinen Plätzen und einer „Blockhütte“ (auf keinen Fall beeidigend zu sehen). Der FC Viktoria hat ja mit seinem Angebot der Fa. Polytan durchaus einen gangbaren Weg gezeigt, der auf jeden Fall kostengünstiger ist. Außerdem kann man den geplanten Neubau des Hebewerks mit dem Bau des Kunstrasenplatzes an der Porschestraße durchaus verbinden – Stichwort: Synergie!

Es bleibt also abzuwarten wann denn die Gemeinde, die Verwaltung und der Gemeinderat, endlich „solch dicke Bretter bohren“ wird und der Fußballsport eine echte Lösung präsentiert bekommt. Denn eines ist klar: Hier ist die Gemeinde gefragt eine gangbare Lösung zu erarbeiten, denn die Gemeinde will ja eine Umsiedlung der Vereine, nicht die Vereine selbst!

Auch rächt sich das jahrelange Aussitzen. Denn in Zukunft werden die Preise auf dem Wohnungsmarkt kaum geringer werden!

Wer über eine Millionen Euro für einen elitären Randsport ausgibt…

Wer über eine Millionen (1.000.000,-) für einen elitären Randsport wie Tennis ausgibt, der seine Boomzeit (von 10 Plätzen auf 4 Plätze) seit dem Wimbledon-Gewinn von Boris Becker und Steffi Graf hinter sich hat, braucht sich über Kritik nicht wundern. Auch ein Eigenbetrag, wie vom neuen GR Rolf Stahl (OGL) erfragt, muss man von Vereinsseite entschieden entgegentreten.

Fakt ist, der FC Viktoria hat in seiner 110-jährigen Geschichte bereits zweimal einen Platz selbst finanziert gebaut. Zweimal wurde man von der damalig eigenständigen Gemeinde Neckarhausen unter Vorwänden und Androhungen ohne Entschädigung enteignet. Das jetzige Domizil wurde auch, wenn auch nicht in heutiger Form, selbst erschaffen und aus eigenen Mitteln von Mitgliedern Anfang der 60er Jahre ein Klubhaus errichtet, das Anfang der 90er Jahre erweitert wurde. Ein drittes Mal wird es keinen eigenen Platzneubau und Klubhausneubau geben! Trotz dieser mehrmaligen schweren Eingriffe in das Vereinsleben seitens der Gemeinde war man stets konstruktiv und mit Elan an allen Gesprächen beteiligt. Das Damoklesschwert „Neckarhausen-Nord“ hängt seit über zehn Jahren über dem Verein und erschweren die Vereinsarbeit und Zukunftsfähigkeit des Clubs massiv. Man hat sogar mit dem Erhalt und der Sanierung des Viktoria-Geländes einen eigenen Vorschlag eingereicht, der zum damaligen Zeitpunkt durchaus für eine Entlastung der Gemeindefinanzen hätte sorgen können, und dies auch immer noch kann. Der GR Wolfgang Jakel (SPD) stellt richtig fest: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Aber das darf nicht nur für den Tennissport gelten – es muss für alle Sportarten zutreffen!

Und als geht es nicht weiter…

Im Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) war zu lesen, dass ein Gutachterausschuss eingerichtet wurde um über Entschädigungszahlungen zu verhandeln. Dies ist so nicht korrekt. Der nominelle Gutachterausschuss der Gemeinde wurde beauftragt die Vereinsanlagen, Klubhäuser und Bauten zu schätzen, damit die Gemeinde eine Grundlage hat überhaupt in Verhandlungen mit den betroffenen Vereinen einzusteigen, da schlicht für die selbsterstellten Bauten eine Entschädigung fällig wird. Denn es ist immer noch festzuhalten, dass bisher noch überhaupt gar nichts (!) in den letzten zehn Jahren konkretisiert wurde. Weder Verträge, noch Abmachungen, noch Verhandlungen über Entschädigungen, noch reelle Aussichten wie es generell weiter gehen soll, noch über die anstehenden Erweiterungen im Sportzentrum (der Kunstrasenplatz im Sport- und Freizeitzentrum wurde ja aus Kostengründen dieses Jahr im Haushalt gestrichen) – eben gar nichts! Stattdessen wurde die Quadratur des Kreises betrieben, Bedenken geäußert, heiße Luft fabriziert, aber eben nichts konkretes, greifbares, schriftlich verbrieftes erarbeitet.

Neues Hebewerk dringend notwendig

Was leider in beiden Berichten der Tagespresse nicht geschrieben wurde, aber der weitaus wichtigste Punkt auf der Sitzung war, ist die Tatsache, dass in den kommenden zwei Jahren das Hebewerk am Viktoria-Platz dem geplanten Neubau in Millionenhöhe (ca. 8 Mio. Euro = 8.000.000 EUR) weichen muss. Dazu jedoch sind Tiefbauarbeiten auf dem Viktoria-Gelände nötig, für das der Verein ein Erbpachtrecht bis 2057 besitzt. Bisher kamen noch keine Gespräche diesbezüglich zustande, geschweige denn konkrete Verhandlungen. Es bleibt abzuwarten wie es hier in Kürze weitergehen wird. Eines muss jedem klar sein: Der FC Viktoria muss um seine Zukunft mehr denn je fürchten und wird mit allen Bandagen kämpfen um überhaupt eine Zukunft zu haben!