Die Chronik des FC Viktoria 1908 Neckarhausen
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Prolog

Ende des 19 Jahrhunderts war es in Deutschland üblich, dass Männer im Gesangverein aktiv waren, sich bei der Feuerwehr engagierten oder aber getreu nach Turnvater Jahn „frisch – fromm - fröhlich – frei“ etwas für die körperliche Ertüchtigung taten. Unvorstellbar aber war der Gedanke, dass junge Männer in kurzen Hosen einem Ball hinterher rannten.  Doch die „englische Krankheit“, so wurde das Fußballspiel abfällig genannt, ließ sich nicht aufhalten. Immer mehr Männer und Jugendliche fanden gefallen an dem neuen Spiel und es kam zur Gründung von ersten Vereinen.
Auch vor einer kleinen Gemeinde, wie es Neckarhausen zu diesem Zeitpunkt war, machte die Begeisterung am Fußball keinen Halt. Die Anfänge des Fußballspiels gehen auf das Jahr 1899 zurück. Zunächst kickte man damals auf den Straßen und kleinen Plätzen innerhalb des Ortes. Im Frühjahr des Jahres 1900 wurde von der Gemeinde die Akazienwiese (Aharz) unterhalb des Stauwehrs zum Preis von 50 Pfennig pro Jahr gepachtet. Die Wiese war ein brachliegendes Allmendgelände, das vom Ort aus gesehen linkerhand vom Neckardamm lag.
Von nun an trafen sich ungefähr 20 Buben im Alter von 10 – 14 Jahren sonntäglich gegen 13.30 Uhr am OEG – Viadukt. Nachdem jeder seinen Spielbeitrag von 10 Pfennig geleistet hatte, wurde unter Vorantragen eines Wimpels singend zum Spielfeld marschiert. Bald fanden sich Zuschauer aller Altersklassen ein, die den Jugendlichen beim Kicken zuschauten. Da die Zahl der Spieler ständig zunahm, musste man sich bald nach einem größeren Platz umsehen. Im Frühjahr 1903 wurde das Spielfeld auf die Neckarwiesen verlegt. Aber auch hier waren die Spielverhältnisse nicht ideal. Wegen des Hochwassers musste der Platz mehrmals gewechselt werden. Es wurde sowohl oberhalb als auch unterhalb der Neckarbrücke gespielt.

Zum gleichen Zeitpunkt wurde der Sportclub 1903 Neckarhausen aus der Taufe gehoben. Zum 1. Vorsitzenden wurde Fritz Bühler bestellt. Einer der Gründungsmitglieder war der Gastwirt Johann A. Fillbrunn. So war es nicht verwunderlich, dass man seine Wirtschaft, den „Zähringer Hof“ zum Vereinslokal auserkor. Zweck des neuen Vereins sollte sein:  „Durch körperliche Übung im Stemmen, Ringen u.s.w. Körper und Geist zu kräftigen und gesund zu erhalten.“ Als Statuten des Vereins hat man die Statuten des Ring- und Stemmclubs Ladenburg angenommen. Als Sport wählte man ein weißes Hemd und schwarze Hosen.
Der offizielle Antrag zur Gründung des Vereins wurde allerdings erst am 16. August 1904 beim „Großherzoglichen Bezirksamt Mannheim“ gestellt. 

Im Jahre 1905 formierte sich im Gasthaus „Zum Kranz“ noch ein zweiter Verein im Ort. Es war der Fußballclub „Viktoria“ mit den Farben schwarz, rot, schwarz. 1. Vorsitzender war Heinrich Kinzig. Der Sportplatz befand sich ebenfalls auf den Neckarwiesen.
 
Am 27. März 1908 trafen sich die Mitglieder des „Sportclub 1903“ und des „FC Viktoria“  im Gasthaus  „Zähringer Hof“  und beschlossen die beiden Vereine zu fusionieren. Der neue Verein erhielt den Namen „FC Viktoria“ mit dem Zusatz des Gründungsjahres 1908.  Die Mitglieder wählten aus ihrer Mitte Fritz Bühler zum ersten Vorsitzenden des neuen Vereins. Zum Vereinslokal bestimmte man den „Zähringer Hof“. Zur Vereinsfarbe bestimmte man schwarz, rot, schwarz.

Die Mitgliederzahl entwickelte sich sehr gut und noch im Gründungsjahr trat der neue Verein dem Verband Süddeutscher Fußball- Vereine bei und somit stand einem geregelten Spielbetrieb nichts im Wege. Das erste belegbare Spiel des „FC Viktoria“ fand am 30. August 1908 statt. Gegner war der FC Viktoria Neckarau, der mit 9:1 besiegt wurde.

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